Museumsstiftung Post und Telekommunikation
  • Inventarnummer:4.2003.1432
  • Bezeichnung:Objekt "Post-Art-Museum" / "flaschenpost / seamail"

  • Weitere Bezeichnung:Flaschenpostmuseum
  • Hersteller:Sturm, Rolf (*1939) [Künstler]
  • Datierung:Datierung: 1985
  • Maßangaben:Objektmaß (b x h x t mm): 154,5 x 115 x 13 mm
  • Material/Technik:Material: Setzkasten, Flaschen und verschiedene Fundmaterialien, Holz, Glas
  • Systematik:Kunst | Objekte und Installationen
  • Orte/Geografie:Herstellungsort: Berlin
  • Objektart:Original
  • Beschriftung:Aufkleber: (flaschenpost/seamail) // POST-ART-MUSEUM; Vorderseite
  • Erläuterungen:Der Berliner Künstler Rolf Sturm wurde 1939 in Braunschweig geboren. 1960-65 studierte er an der Hochschule für Bildende Künste Berlin, 1965 war er Meisterschüler. Im Anschluss arbeitete er zwei Jahre als Kunsterzieher und Gastdozent in Berlin. Von 1968 bis 1972 war er freischaffend und er gründete die Galerie „Zentrifuge“ in Berlin.

    Post-Art-Museum

    Das „Post-Art-Museum“ zeigt einen Sammlungskasten mit Fundstücken wie kleinen Arzneifläschchen und Flachmännern, verschiedenen Fundmaterialien und alten Briefen (zum Teil von 1898), der eine (pseudo)wissenschaftliche Sammlung von Flaschenpost herstellt und ironisiert wird. Die Vitrine zeigt in zehn Abteilungen insgesamt 83 Objekte. Ordnungskriterien sind beispielsweise „Verschlüsse“, „Dichtungsmaterialien“, „Aufbauten“, aber auch „Doppelflaschen“, „Tarnflaschen“ und „Künstlerflaschen“. Letztere spielen ironisch auf die Arbeit anderer Künstler an. So ist Beuys einer runden Fettecke, Christo einem verhüllten Pinsel, Meret Oppenheim chinesischen Essstäbchen mit Fellbesatz zugeordnet etc. Berühmte Naturwissenschaftler wie Alexander von Humboldt „schicken“ Insekten, Vögel und Frösche, andere Flaschen haben Gummipuffer als Zerschellschutz oder Zipp-Reißverschlüsse, wieder andere Wimpel, Antennen und Blinkaufbauten sowie in einem Fall eine Flasche für die „Rückantwort“ angebunden.
    Die Arbeit stellt eine breit angelegte Variation über das Thema dar. Jedes Stück ist mit einer klassifizierenden und kommentierenden Beischrift versehen. Die Form greift die dokumentierend-didaktische Museumspräsentation auf und persifliert sie gleichzeitig, indem die einzelnen Stücke auch Deutungsbezüge offenlassen, jedoch durch die Begleitschilder scheinbar in ihrer Deutung festgelegt werden. Gleichzeitig drücken Textzüge wie „Doppelbrief von 1921 (sehr selten)“ oder „Agentenflasche (als U-Boot getarnte Geheimpost)“ spielerischen Wortwitz und ironische Distanz aus. Die Verflechtung der Fundstücke innerhalb der Gesamtkomposition stellt ein historisches und ethnologisches Bezugssystem her, das zeitgeschichtliche Ereignisse ebenso mit Witz kommentiert wie es auch auf mystische und metaphysische Parabeln anspielt .
    Das Werk ist ein typisches Beispiel für die Vorgehensweise Rolf Sturms, alltägliche vorgefundene Gegenstände einer neuen Wertigkeit und Deutung zuzuführen, indem er sie in einen veränderten Kontext setzt. Das „Objet trouvé“ wurde von Kurt Schwitters in den zwanziger Jahren als künstlerisches Gestaltungsmittel entdeckt und erlebte später im Zuge von Pop Art und Nouveau Realisme immer wieder Renaissancen. Prominente Beispiele sind die Akkumulationen und Inklusionen von Arman oder Werke von Daniel Spoerri.
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Objekt "Post-Art-Museum" / "flaschenpost / seamail"